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PNP vom 25.05.2010
„Das schönste Festival der Welt“Das Paradies liegt 20 Kilometer von Passau entfernt - Gelungene 25. Ausgabe von „Jazz am Bauernhof“
Mit der Fußball-WM hat es nur am Rande zu tun, dass Paul Zauner zu seinem „Jazz am Bauernhof“ Hugh Masekela geholt hat. Vielmehr liegt es an Zauners Leidenschaft für afrikanische Musik. Masekela, 1939 im Südafrika der Apartheit geboren, unermüdlich engagiert für die Musik Afrikas, inspiriert den ersten Tag des Inntöne-Festivals in Diersbach mit Temperament, Humor und Spontanität.
Freitag Masekela spielt ein strahlendes Flügelhorn, bewegt sich ausgelassen wie ein blutjunger Tänzer, interpretiert ausdrucksstark traditionelle Lieder und befeuert seine junge Band mit Handpercussion. Als er sich die singenden MUKA-Kids aus Johannesburg dazuholt, die am nächsten Tag mit Musikern der Musikhauptschule Andorf auftreten, bringt er den Stadel am Buchmannhof zum Hüpfen. Leidenschaftlich war bereits der Auftakt. Gavino Murgia (Sopransax), Luciano Biondini (Knopfakkordeon) und Michel Godard (Tuba und E-Bass), gute Bekannte in der Froschau, faszinieren im fünfköpfigen Ensemble Megalitico mit einer rhythmusanimierten Musik zwischen Volkslied und Freejazz. Fröhlich, dramatisch, psychedelisch oder lyrisch - die kontrastreiche Besetzung schafft unterschiedlichste Klangdimensionen. Plötzlich vollführt Murgia eine Wandlung vom spritzigen Sax-Spieler zum brummend singenden Schamanen. Biondini gibt Impulse für den dynamischen Ablauf und schwingt sich zu furiosen Solos auf. Godard lenkt mit dezentem Groove das Geschehen und liefert eruptive Einlagen. Neben diesen expressiven Konzerten wirkt das österreichische Trio mg3 um den Pianisten Martin Gasselsberger eine Spur konventioneller und das französische Thomas Savy Trio verkopfter als sie tatsächlich sind. Savy spielt die Bassklarinette treibend wie ein Tenorsaxofon kennt. Seinen exzellenten Partnern an Kontrabass und Schlagzeug lässt er gleich großen Raum für einen ziselierten, nach vorne drängenden Jazz.
Samstag Angenommen, man dürfte von sieben Konzerten des Tages nur über eines schreiben, die Wahl wäre eindeutig. Ein bisschen deshalb, weil der 25. nicht der stärkste aller Inntöne-Jahrgänge ist. Aber vor allem wegen des explosionsartigen Konzerts von Christian Mühlbachers USW. Das 16-Mann-Orchester aus der Wiener Szene tritt an mit der Kraft eines Vulkans und lässt mehr als 60 Minuten lang den Druck steigen in einer koordinierten und stilistisch lose verknüpften Improvisation. Allein das Wissen um die Möglichkeit des großen Knalls versetzt das Publikum in einen nervösen Erregungszustand. Die üppige Präzisions-Rhythmus-Sektion mit Drums, Bass, Gitarre, Keyboard und Orgel bricht die Kanäle auf für Jazzrock, Funk, Blues und Gospel, durch die der mehr als üppige Bläsersatz mit drei Trompeten, drei Posaunen, Saxofon und Tuba seine Feuersalven spuckt. Ein Kollektiv junger Solisten mit dem Willen und der Fähigkeit, die Himmel zu erschüttern. „Die Inntöne sind das schönstes Festival der Welt“, sagt Ö1-Jazzchef Herbert Uhlir in seiner Livesendung. Nach diesem Konzert spätestens weiß man, was er meint.
Sonntag Sonne, Wärme, leichter Wind und Wolkenfetzen am Himmel. Den Konzertstadel füllt als erste die Big Band Connection von Günter Bauer mit groovigem Sound, mit Menschen füllt sie sich wegen der Freiluftlaune erst beim dritten Konzert mit dem französischen Bassklarinettisten Michel Aumont und den „Chiens aboient“, den „bellenden Hunden“ Valentin Clastrier und Marc Anthony an den Drehleiern - obwohl Franz Hackls Trompete davor dermaßen brillante Soli in die Höhe des Stadeldachs platzen lässt, dass sein Duopartner Michael Wolff am Piano dahinter fast verschwindet. Ihr Sound wirkt irgendwie kühl gegenüber der Wärme draußen, und auch der Auftritt von Michel Aumont fällt stellenweise eher durchwachsen aus, trotz überbordender Virtuosität und Erfindung. Absoluter Höhepunkt des Abends, des Tages, wenn nicht des ganzen Festivals ist der Auftritt des St. Nick’s Quintet mit dem schwarzen Sänger Gregory Porter und dem Posaunisten Frank Lacy, der schon am Vorabend nach Mitternacht den Leuten ziemlich eingeheizt hat. Heute spielt er ungleich intensiver, es geschieht Unbeschreibliches: Ein zum Platzen gefüllter Stadel tobt, jubelt und will sich nicht beruhigen. Menschenmassen klatschen, singen, lachen und leiden mit. Manchmal zum Weinen schön, selbst für Abgebrühte. Die tanzbegierige Menge wird im Anschluss von den Paris Calypso 5 mit Peter Massink leichtfüßig aufgefangen, die Stühle sind in fünf Minuten draußen und der Stadel wird zur Tanzfläche. Im Saustall nebenan geht es noch weiter bis halb vier mit dem bunten Vierer Gankino Circus, bis schließlich Valerio Pontrandolfo (Steve Grossman Quintet) im Vogelgezwitscher des anbrechenden Morgens einem verbliebenen Rest am Lagerfeuer ein einsames, melancholisches Saxofon bläst. Ein Moment für die Ewigkeit. Nun kann es Sommer werden.
Vom Inntöne-Festival berichten: Gabriele Blachnik, Raimund Meisenberger und Frank Müller.
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