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PNP vom 11.02.2010
Das Zauner-Prinzip
An Pfingsten feiert das Bauernhof-Festival „Inntöne“ 25. Jubiläum Dahinter steht ein außergewöhnlicher Mann Das Wichtigste ist, dass die Zahlen stimmen. Das weiß jeder, der ein Unternehmen führt - oder eine Kulturveranstaltung organisiert. Stimmt die Kasse nicht, dann stirbt der Idealismus mit der Zeit ganz von selbst, einfach weil der materielle Boden unter den guten Absichten wegbricht. Da muss man eben auch mal Kompromisse eingehen, eine zweitbeste Lösung akzeptieren und beispielsweise eine mittelmäßige Band engagieren, die aus irgendwelchen Gründen aber überaus beliebt ist und mit Sicherheit viel Publikum anlockt. Muss man nicht, sagt Paul Zauner.
„Das Wichtigste bei mir ist, dass es fair zugeht“
Der Jazz-Posaunist, Plattenfirmen-Chef, Festival-Organisator und Biospeck-Produzent aus dem oberösterreichischen Diersbach hat sich entschieden, das Prinzip „Kasse“ gegen das Prinzip „Vertrauen“ zu ersetzen. Die Früchte dieser Saat: Heuer an Pfingsten findet auf seinem elterlichen Buchmannhof im Sauwald zum 25. Mal sein Inntöne-Festival statt. „Das Wichtigste ist bei mir, dass es fair zugeht“, sagt Paul Zauner, während seine großen Hände auf und ab schaukelnde Waagschalen in die Luft zeichnen. Während seine hell-hellblauen Augen lächeln - immer mit dieser seltsamen Zuversicht im Blick, die ihr Fundament wohl in einem ganz grundsätzlichen Gott- und Selbstvertrauen hat. Und in einer nicht auszurottenden Sympathie für die Menschen als solche. Das bedeutet weder, dass man mit Paul Zauner nicht streiten könnte, noch dass er naiv darüber hinwegsieht, wenn einer nicht mit Verstand und Leidenschaft bei der Sache ist.
Sein Erfolg ist ein Rätsel, oberflächlich betrachtet. Denn Zauner ist kein Organisationsgenie, sagen seine Mitarbeiter auf dem Inntöne-Festival. Schon gar kein Perfektionist: „22 Jahre, 66 Tage“ jubelt die Homepage www.inntoene.com - pünktlich zum 25. Geburtstag. Und dennoch werden sich die Menschen wieder auf den Zehen stehen vom 21. bis 23. Mai, dennoch wird der ORF wird wieder jedes einzelne Konzert aufzeichnen, weil nirgendwo qualitativ hochwertigerer Live-Jazz zu finden ist. Das Programm für 2010 nennt Zauner erst, wenn er die ideale Mischung aus Jazz, Avantgarde, ethnischer Musik und einer Prise Alter Musik gefunden hat. Schwergewichtige Ankerpunkte sind jedoch der hochvirtuose weiße Jazz des US-Saxofonisten Walt Weiskopf und der Sound des 70-jährigen Trompeters Hugh Masekela - einer der wichtigsten Musiker Südafrikas und Komponist von „Bring Him Back Home“, der Hymne zur Freilassung Nelson Mandelas aus dem Gefängnis.
Zauner ist kein herausragender Virtuose an der Posaune, sagen kritische Jazzhörer. Doch was er hat, ist ein sechster Sinn für Musik und ein siebter Sinn für die Menschen, mit denen er arbeitet. Mit seiner Band Blue Brass ist Zauner heuer am 11. März zur Jazzwoche Burghausen und am 29. September zum Jazzfestival Viersen eingeladen. Hört man den groovigen, in Gospel und Blues verwurzelten, aber auch frei ins All fliegenden Sound des neuen Albums „Soulful Chance“, das am 1. März erscheint, so weiß man, warum das so ist.
Das Zauner-Prinzip heißt auch Fairness sich selbst und dem Publikum gegenüber. Geschummelt wird nicht, und die Menschen besuchen sein Festival, egal wer dort spielt und egal, ob sie diese Namen schon einmal gehört haben. Das Publikum vertraut Paul Zauner
Neuerdings ist auch das Brucknerhaus voll
Wenn er dafür geradesteht, dann taugt es auch was, so einfach ist das. Nicht nur in Diersbach, sondern auch in Linz, wo neuerdings der große Saal des Brucknerhauses ausverkauft ist, wenn dort zwei unbekannte Sänger wie Karen Francis und Mansur Scott am 1. März singen. Es hat sich herumgesprochen, dass Paul Zauner für das Programm verantwortlich ist. Das Zauner-Prinzip wirkt hier wir dort. Und die Zahlen stimmen auch. Raimund Meisenberger
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